{"id":54,"date":"2019-05-22T08:42:39","date_gmt":"2019-05-22T06:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/henningwolf.de\/?p=54"},"modified":"2020-03-16T11:25:08","modified_gmt":"2020-03-16T10:25:08","slug":"agiles-streben-ist-denn-nicht-irgendwann-auch-mal-schluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/henningwolf.de\/?p=54","title":{"rendered":"Ist denn nicht irgendwann auch mal Schluss (mit dem Verbessern)?"},"content":{"rendered":"\n<p>Erst letzte Woche ist mir in einer Diskussion wieder die Frage begegnet \u201eWann ist denn mal gut genug?\u201c. Meine emotionale Reaktion dazu war zun\u00e4chst gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis und Entt\u00e4uschung. Aber ich versuche zu verstehen, und ich will mit meiner Position verstanden werden. Eine erste Ann\u00e4herung.   <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eImmer weiter streben\u201c gleich \u201eDruck, Druck, Druck\u201c?<\/h2>\n\n\n\n<p>Da werkeln wir an was auch immer so vor uns her, sind mit unserem Ergebnis sogar ganz zufrieden, haben uns angestrengt. Wir wissen vielleicht sogar, dass wir heute viel besser sind in unserem Tun als noch vor zwei Jahren. Und trotzdem findet sich in der Organisation jemand (Kollege w\u00fcrden reichen, \u201eChef\u201c verst\u00e4rkt den Effekt), der in den Raum stellt, dass es besser ginge. <\/p>\n\n\n\n<p>Hat er recht? Vermutlich schon, was geht nicht noch besser?<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es motivierend? Das h\u00e4ngt davon ab. F\u00fcr mich ist es das meist gewesen, wenn auch nicht gerade mit den Worten meines Ex-Chefs \u201efast zufrieden, weiter so\u201c. F\u00fcr viele ist es demotivierend, denn sie h\u00f6ren ein \u201ees war nicht genug\u201c  oder ein schlimmeres \u201edu gen\u00fcgst nicht\u201c. Dabei steckt diese Implikation nicht drin in der Aussage, dass es besser geht. Es kann toll sein und trotzdem noch Ideen f\u00fcr besser geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann nachvollziehen, dass das st\u00e4ndige Streben nach weiterer Verbesserung f\u00fcr manche Druck bedeutet. W\u00fcrde ich es deshalb nicht mehr wollen? Vermutlich nein.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eNicht mehr streben\u201c gleich \u201eStillstand\u201c?<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite stellt bei mir der Wunsch nach einem Ende des Strebens die Nackenhaare auf. Ich bef\u00fcrchte dann Stillstand, und ich mag die Vorstellung des Stillstehens nicht. Und mich reizt schon die intellektuelle Herausforderung dar\u00fcber nachzudenken, wie es besser gehen k\u00f6nnte. Deshalb l\u00f6sen W\u00fcnsche nach einem festen Ziel und einer festen Definition, wann es \u201egut\u201c ist, bei mir die Bef\u00fcrchtung aus, man wolle sich jetzt auf dem Erfolg ausruhen, sich nicht weiter verbessern, so f\u00fcr alle Zeiten weitermachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Habe ich recht? Kann man mit seinen \u00c4ngsten und Bef\u00fcrchtungen \u00fcberhaupt recht oder unrecht haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die anderen jetzt  f\u00fcr alle Zeiten nichts mehr \u00e4ndern wollen, ist nur eine Zuschreibung in meinen Gedanken. Das hat niemand ausgesprochen und vermutlich nicht einmal gemeint. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und jetzt: anerkennen und nachhaltig weiter streben<\/h2>\n\n\n\n<p>Wollen wir also das Streben nach Verbesserung aufgeben? Ich nicht! M\u00f6chte ich einen Weg finden, wie es mit weniger Druck (f\u00fcr andere) geht? Ganz bestimmt. Darauf  werde ich also in Zukunft noch mehr achten: Anerkennen, was bereits erreicht wurde. Sehen, mit welcher Anstrengung es verbunden war. Mich bedanken. Dann eine Pause.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann erst gemeinsam herausfinden, was es zu lernen gibt und wie es weiter gehen kann, was sich zu verbessern lohnt und was wir als n\u00e4chstes angehen wollen. <\/p>\n\n\n\n<p>Von anderen w\u00fcnsche ich mir, dass sie mir nicht unterstellen, dass ich ihre Arbeit nicht wertsch\u00e4tzen w\u00fcrde, nur weil ich noch Verbesserungsideen habe oder mich nach den n\u00e4chsten Verbesserungen erkundige.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ich bekenne: Ich bin ein agiler Streber<\/h2>\n\n\n\n<p>Bis auf die \u00dcberschrift dieses Abschnitts ist das Wort \u201eagil\u201c noch nicht aufgetreten. F\u00fcr mich ist die kontinuierliche Verbesserung der Kern von Agilit\u00e4t und passenderweise einer meiner pers\u00f6nlichen Treiber. Deswegen f\u00e4llt mir der Gedanke und seine Anwendung leicht und motiviert mich. Ich kann gleichzeitig anerkennen, dass es f\u00fcr andere Druck bedeuten kann.  <\/p>\n\n\n\n<p>Es ben\u00f6tigt eine Balance zwischen Anerkennen\/Ausruhen und Weiterstreben nach Verbesserung. Auf die will ich zuk\u00fcnftig f\u00fcr mich und andere mehr achten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst letzte Woche ist mir in einer Diskussion wieder die Frage begegnet \u201eWann ist denn mal gut genug?\u201c. Meine emotionale Reaktion dazu war zun\u00e4chst gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis und Entt\u00e4uschung. Aber ich versuche zu verstehen, und ich will mit meiner Position verstanden werden. Eine erste Ann\u00e4herung. \u201eImmer weiter streben\u201c gleich \u201eDruck, Druck, Druck\u201c? 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